Optimismus in Wassernähe

Büromarktbericht zeigt große Nachfrage nach Top-Lagen – Leerstände haben sich seit 2003 allerdings verdoppelt
Von Boris Geißler

Kiel – Der Kieler Büromarktbericht zeigt, dass der Büroleerstand sich seit 2003 verdoppelt hat. Dennoch sieht Verfasser Prof. Jürgen Aring Anlass zu Optimismus. Die wirtschaftliche Entwicklung spreche dafür, außerdem habe Kiel die Altlasten aufgearbeitet.
Moderne Büropaläste, Investoren aus aller Welt als Bauherren und ein satter Vermietungsstand von 100 Prozent bei kommoden Renditen – Kiels Makler, zu denen auch die Kieler Wirtschaftsförderungsgesellschaft (KiWi) gehört, könnten sich Schlimmeres vorstellen. Wenn sie andere künftig auf die Vorteile von Büroflächen in Kiel stoßen wollen, können sie ab sofort mit einer Broschüre wedeln, auf der „Büromarktbericht 2006“ steht. Auftraggeber des 13000-Euro Werks: KiWi/BIG Städtebau.
Zwar standen seit 2003 in Kiel laut Bericht etwa 50000 qm Büroflächen leer, von den wohl nur noch ein Drittel wieder an den Mann zu bringen wären, dennoch ist Kiels Bürgermeister Peter Todeskino optimistisch: „Der Bericht zeigt, dass Kiel attraktive Bürostandorte hat“, sagte er.
Platz ist genug in Kiel, doch begehrt seien vor allem Wasserlagen. „Das Hafenhaus etwa ist zu 100 Prozent vermietet“, erklärte Peter Plambeck (GVI Immobilien GmbH), dessen Unternehmen sich mit den Maklerbüros John Spiering, Hans Schütt und Top Lage Immobilien sowie der KiWi an dem Bericht beteiligt hat. Top-Lage-Chefin Käte Behrens ist überzeugt: „Es ließen sich noch zwei Häuser wie das Hafenhaus füllen.“
Verzeichnet der Bericht für 2000 einen halb so hohen Leerstand wie heute, so hat sich heute die 50000-qm-Marke eingependelt. Zwischen 3000 und 15000 qm Büroflächen jährlich wurden in der letzten Zeit gebaut, das Angebot im höherwertigen Segment, in dem man im Extrem bis 14 Eu- ro je Quadratmeter zahlen kann, ist begrenzt. Da, so Aring (Büro für angewandte Geographie), das Bauvolumen aus der Zeit des „Neuen Marktes“ in Kürze absorbiert sein werde, die wirtschaftlichen Prognosen günstig seien und einigen „dürren Jahren“ vermutlich Modernisierungsentscheidungen folgen dürften, entwirft er ein optimistisches Szenario. Doch so leicht sich hochwertige Wasserlagen ver markten lassen, so zäh ist das Geschäft mit alten Büro-Immobilien fern des Wassers, mit schlechter Ausstattung und wenig Parkplätzen – in der Altstadt oder am Dreiecksplatz keine Seltenheit. „Wer Dauer-Leerstände verwaltet“, so Ralph Bruns, „muss überlegen, was geschehen soll“, er sieht drei Optionen: Wohnnutzung, Sanierung, Abriss.
Das gilt auch für die Planung: An der Hörn zeichne sich, so Todeskino, bereits ein Umschwenken zu mehr Wohnund weniger Büronutzung als bisher geplant ab. Dennoch könne die Hörn Boomtown werden. Laut Aring wirken die Unwuchten der ersten Vermarktungsphase der Hörn immer noch nach.
„Städte wie Kiel waren regionale Märkte“, erklärt er, jetzt stelle sich die Frage, wie sich das Netz aus mittelgroßen deutschen Städten an den überregionalen Markt anpasst. Als Schwachpunkt gilt ihm da die Verkehrsanbindung Kiels. Kiel solle punkten mit der Wasserlage, dem Erholungswert. „Wir müssen Reklame für Stadt und Region machen“, so Behrens. Schütt-Verkaufschef Bernd Hollstein sieht in der Broschüre „einen Beitrag für die Stadt, sich darzustellen“ – und, so Behrens: Die Immobilien in Kiel müssten Weltstadtniveau haben.
Auf dem Ostufer der Hörn werden künftig weniger Büroflächen als bisher geplant realisiert werden, wenn die Politik den Vorstellungen der Verwaltung folgt. Hier dümpelt die Entwicklung noch großflächig. Fotos JKK
Das Neufeldthaus im Wissenschaftspark am Westring gilt als eines der Vorzeige-Bürohäuser Kiels ohne Wasserlage: Von den 8000 qm Nutzfläche ist die Hälfte belegt. Kiel könne gut und gerne noch zwei weitere Bürohäuser von der Art des Hafenhauses, das erst in diesem Jahr bezogen wurde, verkraften, glaubt Maklerin Käte Behrens.